Herzlich willkommen in der Geradstetter Konradskirche!

Wir freuen uns, dass Sie sich für unsere Kirche interessieren und sich ein wenig Zeit und Stille zum Betrachten und Erkunden gönnen.

Auch für dieses Gotteshaus soll das biblische Motto gelten:

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort,
da deine Ehre wohnt“  (Psalm 26, 8).

Dieser kurzgefaßte Kirchenführer möchte Sie durch die Kirche begleiten, auf Besonderheiten aufmerksam machen und Ihnen Anregungen zum Nachdenken mit auf den Weg geben.

Pfarrer Rainer Härer

 

 

Zur Geschichte der Konradskirche

Die Gemeinde Geradstetten war im Mittelalter eine Filiale von Winterbach. Politisch wurde sie vermutlich im 13. Jahrhundert selbständig. Urkunden hierüber sind keine vorhanden. Die Herren von Urbach, ihnen gehörte 1/3 des Dorfes, stifteten 1359 eine Kapelle zu Ehren des Hl. Konrad, eines ehemaligen Bischofs von Konstanz. Die Stiftung erfolgte vermutlich aus Dankbarkeit für das Überleben in den furchtbaren Pestjahren um 1350.

Konrad war Bischof von Konstanz, der damals räumlich größten Diözese in Deutschland.  Er wurde um 900 geboren als Sohn des Welfengrafen Heinrich von Altdorf, des Stifters von Kloster Weingarten. Als Berater des Kaisers Otto des Großen war er ein in die Politik einbezogener Reichsfürst, vor allem aber ein frommer, fürsorgender Oberhirte seines Bistums. Er wird besonders in der Schweiz und im Bodenseegebiet verehrt.

Vor der Wende zum 16. Jahrhundert erbauten die Geradstetter Bürger die Konradskirche im spätgotischen Stil dieser Jahre, sie wurde 1491 geweiht. Auf Grund der Steinmetzzeichen kennen wir den Erbauer unserer Kirche, Hans Ulmer I von Landau. Er war auch an der Stadtkirche in Schorndorf, in Hohenacker und Winterbach der führende Steinmetz.

Im Jahre 1496 beantragte die Gemeinde die kirchliche Trennung von Winterbach, die Urkunde hierüber sowie die Bestätigung durch den Bischof von Konstanz von 1497 sind noch vorhanden.

1534 führte Herzog Ulrich die Reformation ein. Erster evangelischer Pfarrer war Jodokus Vochenzer (1532-1551).

Mehrfache Innenumbauten wurden durch die starke Bevölkerungszunahme im 18. Jahrhundert – nach dem Dreißigjährigen Krieg – erforderlich. Den Akten zufolge muß die Raumnot schlimm gewesen sein.

Nach dem Ende des letzten Weltkriegs waren eingreifende Baumaßnahmen erforderlich geworden. Sie fanden in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt. In den 90er Jahren wurde dann das Außenmauerwerk saniert sowie der Turmhelm 1967 völlig erneuert. Im Jahr 2005 wurde die Kirche innen grundlegend renoviert.

Die Konradskirche wurde als Chorturmkiche – die hierzulande übliche Form einer Dorfkirche – erbaut, das heißt, Chor und Turm sind zu einem Bauglied zusammengefaßt. Turm und Schiff bestehen aus Schilfsandstein, die Zangenlöcher der Bauzeit sind noch erkennbar. Wuchtig wirken der quadratische Chorturm mit der achteckigen Glockenstube und dem aufgesetzten 25 m hohen Turmhelm. Die hervorgehobene Lage der Kirche wird noch verstärkt durch die alten, starken Stützmauern auf der Süd- und Ostseite, die den alten Friedhof umschlossen.

Rundgang um die Kirche

An der Südseite können wir die spätgotischen Formen der Maßwerkfenster betrachten. Der Bau weist eine schwer zu erklärende Merkwürdigkeit auf: die östliche Schiffswand (der Chorbogen) und die westliche Turmwand sind nicht identisch. An diesem Zwischenglied ist außen ein kleiner tonnengewölbter Raum angebracht, er war vermutlich für einen Ölberg vorgesehen. Von der einstigen Sonnenuhr am Schiff sind nur noch die Dübellöcher vorhanden. Den Platz vor der Kirche haben Gemeindemitglieder gärtnerisch gestaltet.

An der Nordseite befindet sich der Sakristeianbau, die kleine Tür daneben wurde erst später durchgebrochen. Auch hier wieder schöne Maßwerkfenster mit Steinmetzmetzzeichen der Erbauer. Die Stiegenhäuser sind Zutaten des 19. Jahrhunderts.

Die rechteckigen Fenster der Westseite wurden im 18. Jahrhundert durchgebrochen, um bessere Sicht auf den Emporen zu erhalten.  Es wird um Vorsicht gebeten! Turmfalken brüten seit Jahren im kleinen Fenster im Dachgeschoß.

 

Innenraum

Konradskirche innen 2007 1007 13
Wir betreten den Kirchenraum durch die Tür auf der Westseite und richten unsern Blick auf den Altar und den Chor mit der Orgel. Hinter dieser sehen das Maßwerk des Ostfensters, links und rechts zwei Engel mit der Jahreszahl 1491, dem Jahr der Fertigstellung des Chors. Über uns das spätgotische Netzgewölbe mit vier Schlußsteinen.

Konradskirche Gewoelbe

Die Schlußsteine zeigen:


Graf Eberhard im Bart mit Palmbaum
 
Hl. Konrad

Muttergottes mit Zepter
 
Hl. Ursula mit Pfeil

 

Zur linken Hand befand sich früher eine kleine Kapelle in dem Bauteil zwischen Chorwand und Turm. Er dient heute als Zugang zum Chorraum und zur Westempore. Die Fresken zeigen Darstellungen aus dem Marienleben und die Jahreszahl 1502. Sie wurden durch spätere Einbauten teilweise zerstört.

Konradskirche innen Jesus im Tempel 2007 1007

Konradskirche innen Maria Himmelfahrt 2007 1007

 Konradskirche innen Maria und Elisabeth 2007 1007

 

Der (neue) Altar trägt an seiner Rückseite den Kruzifixus eines unbekannten Meisters um 1500, er wurde 1959 restauriert. Die Kanzel stammt aus dem frühen 17. Jhrhdt. Ihr achteckiger Korb zeigt Bilder von Mose, Guten Hirten, Prediger, Betender und Sonnenblume. Der Taufstein ist neueren Datums.

Der niedrige Chorbogen trennt Chor und Schiff, die Chorwand zeigt links und rechts die vier Evangelistensymbole. Sie wurden 1792 von dem Schorndofer Maler Schönhardt angebracht. Einige Weihekreuze aus der Bauzeit sind noch erhalten. An der Südseite bei der Tür befinden sich noch Freskenreste fraglichen Inhalts.

An der Nordseite befinden sich sechs Bildtafeln der ehemaligen Orgelempore. Sie stellen die Evangelisten, Paulus und Christus dar. Joh. B. Schnaible aus Leonberg fertigte sie 1770 in volkstümlichem Stil. Die flache Stuckdecke wurde 2005 neu restauriert, desgleichen die Westempore und das Gestühl.


Matthäus
 
Markus

Lukas
 
Johannes

 

  

Orgel

Konradskirche Orgel

Der schöne Orgelprospekt stammt von dem Faurndauer Orgelbauer Joh. G. Späth aus dem Jahre 1767. In der Mitte des Prospekts stehen die Pfeifen des Prinzipals 8´, links und rechts die des Offenbass 8´.
Das 1970 erbaute Orgelwerk des Winterbacher Orgelbauers Kurt Fischer besitzt 19 Register in folgender Disposition:

Hauptwerk:   Schwellwerk:   Pedalwerk:
Prinzipal 8´   Gedeckt 8´    Subbass 16´
Rohrflöte 8´   Flöte 4´    Offenbass 8´
Oktave 4´   Prinzpal 2´     Choralbass 4´
Spitzgedeckt 4´   Quinte 1´1/3´   Rauschpfeife 2 2/3´
Waldflöte 2´   Zimbel 1´   Basszink 5 1/3´
Sesquialter 2 2/3´ 1 3/5´   Oboe 8´   Fagott 8´
Mixtur  2´        

Mechanische Schleifladen, elektrische Registertraktur, 2 freie Kombi-nationen,  Normalkoppeln. Organo pleno, Zimbelstern, Radialpedal, Manual C – c´´´´,.

Seit einigen Jahren ist die Orgelbauerfirma Tzschöckel, Althütte-Fautsbach, für die Pflege und Stimmung der Orgel zuständig.

Glocken

Unsere Kirche besitzt ein dreistimmiges Geläute in den Tönen f´, as´und b´, also in den Tonintervallen kleine Terz und Quarte.

Die große Glocke – Betglocke Die mittlere Glocke – Kreuzglocke Die kleine Glocke – Taufglocke
Glocke gross Glocke mittel Glocke klein
Ton f´,
gegossen 1756 bei Neubert in Stuttgart.          
Durchmesser 120 cm,
Höhe 100 cm,
Gewicht etwa 1100 kg.
Ton as´
gegossen 1949 bei Kurtz in Stuttgart.
Durchmesser 97 cm
Höhe 80 cm
Gewicht etwa 560 kg.
Ton b´
gegossen 1949 bei Kurtz in Stuttgart.
Durchmesser 87 cm
Höhe 70 cm
Gewicht etwa 400 kg.

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Kirchengemeinde hat den Wunsch, daß die Konradskirche recht lange erhalten bleiben möge, damit hierin auch späteren Generationen das Wort Gottes recht verkündigt werden kann. 

Zeittafel

1359

Altarstiftung des Bernold von Urbach für eine Kapelle in Geradstetten “consecratus ob honorem et laudem sancti cuonradi“

1491

Abschluß der Bauarbeiten an der Konradskirche

1497

Errichtung einer eigenen Pfarrei in Geradstetten, Separation von der Pfarrei Winterbach

1534

Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich

1577

Ein Blitzschlag verursacht große Schäden an Schiff und Turm

1729

Einbau einer Westempore

1753

Einbau von zwei Seitenemporen. Ersatz der Holzdecke des Schiffs durch eine Stuckdecke

1767

Bau einer Orgel durch Joh. G. Späth aus Faurndau

1770

Maler B. Schnaible vergoldet den Orgelprospekt und fertigt sechs Bilder: Christus, Paulus und die Apostel

1791

Maler Schönhardt malt die vier Evangelistensymbole

1798

Turmreparatur und Neueindeckung mit glasierten Ziegeln

1822

Fensterdurchbruch über der Empore

1843

Turm erhält Schieferdeckung

1883

Bau zweier Stiegenhäuser

1951

Erneuerung des Chorbogens, neuer Plattenboden

1959

Grundlegende Innenerneuerung: Neuer Altar und Taufstein, Öffnung des Chorostfensters, neues Gestühl im Schiff und auf der Empore, Restaurierung der Kanzelbemalung, Freilegen der Weihekreuze, Netzgewölbe mit Schlußsteinen und Freskenmalereien in der ehemaligen Kapelle

1967

Neubau und Neudeckung des Turmhelms

1970

Neue Orgel, erbaut durch Kurt Fischer, Winterbach

1995

Vollständige Außenerneuerung von Schiff und Turm

2005

Grundlegende Innenerneuerung: Decke und Fußboden, Anhebung der Empore für den Windfang, Erneuerung und Veränderung des Gestühls samt der Heizung, Neue Beleuchtung und Beschallung, Trockenlegung der Nordwand des Kirchenschiffs, Schaltpult der elektrischen Anlagen.

2010 Neueindeckung des Kirchturms; Austausch maroder Steine am Kirchturm

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Sonntag, 16. Dezember 2018
3. Sonntag im Advent
Meine Schuld ist mir über den Kopf gewachsen; sie wiegt zu schwer, ich kann sie nicht mehr tragen.
Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.

 Kirche und Gartenschau

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# entdeckerweg 2019

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